ALMOST FAILED.
JULIANE GREB & MAX OTTO ZITZELSBERGER ZU GAST mit der BAUWELT im LAUFEN space Berlin
Gemeinsam mit der BAUWELT lud der LAUFEN space Berlin zum Talk ALMOST FAILED mit den Architekten JULIANE GREB & MAX OTTO ZITZELSBERGER ein. Moderiert wurde der Abend von Chefredakteur BORIS SCHADE-BÜNSOW.
Wir leben heute nicht mehr in einer Zeit des festen Glaubens an den linearen Fortschritt, sondern müssen das UNGEPLANTE, VERGÄNGLICHE, MISSGLÜCKTE kultivieren. Um etwas NEUES ZU ERSCHAFFEN, muss viel AUSPROBIERT und einiges RISKIERT werden, von dem man nicht immer weiß, ob es gelingen wird.
Doch was macht dies mit uns? Und ist letztendlich ALMOST FAILED nicht ein ERFOLG? Verändert sich dadurch der BERUF des Architekten? Was bedeutet es als ArchitektIn ERFOLGREICH zu sein? PERFEKTION versus REALITÄT? Wie sieht FEHLERKULTUR aus und was bedeutet dies alles für die ZUKUNFT?
Dass das Thema auf ein großes Interesse trifft, zeigte sich bereits im Vorfeld der Veranstaltung, wie Boris Schade-Bünsow bereits gleich zu Beginn des Talks verriet. Noch nie hatte die BAUWELT auf eine Einladung so viele persönliche Rückmeldungen erhalten. Es folgte ein Abend, bei dem die Gäste Neues über GEBAUTES, ERLEBTES, GEGLÜCKTES und GESCHEITERTES erfuhren. Dies lag im Besonderen an JULIANE GREB & MAX OTTO ZITZELSBERGER, die einen ehrlichen und offenen Einblick in ihre Arbeit und gesammelten Erfahrungen zuließen.
JULIANE GREB gründete 2015 das Architekturbüro BÜRO JULIANE GREB mit Sitz in Gent, das seit 2017 in Partnerschaft mit Petter Krag geführt wird. Zusammen mit ARCH+ und Summacumfemmer wurden es ausgewählt, den deutschen Pavillon auf der 18. Biennale Architettura di Venezia im Jahr 2023 zu kuratieren. Die Ausstellung „Open for Maintenance / Wegen Umbau geöffnet“ untersuchte Themen wie Reparatur, Wartung und Pflege sowie neue Allianzen und Formen der Solidarität in der Architekturpraxis.
Prof. MAX OTTO ZITZELSBERGER schloss 2009 sein Diplom an der Technischen Universität (TU) München ab. 2009 bis 2010 arbeitete er als freier Mitarbeiter in verschiedenen Architekturbüros in Deutschland und in der Schweiz. Im Anschluss war er bis 2017 im akademischen Rat der TU München, am Lehrstuhl von Prof. Florian Nagler tätig. Seit 2011 leitet und betreut er eigene Projekte, für die er bereits Preise und Auszeichnungen, wie den Weißenhof-Architektur-Förderpreis gewann. Seit 2019 ist Max Otto Zitzelsberger als Juniorprofessor für Tektonik im Holzbau an der TU Kaiserslautern tätig.
Schnell wurde während des Talks klar: Erfolg hat heute nur, wer sich von der Grundhaltung „Ich bin der Planende, ich bin der Definierende.“ verabschiedet. Ein Prozess, der manchmal auch nicht einfach ist, wie MAX OTTO ZITZELSBERGER ebenso wie JULIANE GREB berichtet und von einer positiven Grundhaltung bestimmt wird. Das perfekte Bauwerk wie Projekt gibt es nicht. Daher sind FLEXIBILITÄT, ZUSAMMENARBEIT und immer wieder die Suche nach LÖSUNGEN gefordert. Dies erfordert, mit allen Beteiligten im Gespräch zu bleiben und ein Projekt so zu planen bzw. einen Rahmen zu geben, dass es für andere umsetzbar ist. Man muss gemeinsam an einem Strang ziehen.
MAX OTTO ZITZELSBERGER hat für den Abend eine Reihe FAST PERFEKTER EXPONATE mitgebracht, die in Zusammenarbeit mit seinem Team entstanden sind. Es sind Restmaterialien von Baustellen, bei denen man die beste Version suchte, die ideale Form herzustellen. Welche Formate passen am besten zusammen? Entstanden ist daraus ein Programm und die Anleitung, wie man die einzelnen Objekte zusammenzusetzen kann. Bis zum 1.10.2024 sind sie noch im LAUFEN space Berlin zu sehen.
Gegenpool dazu ist die Videoarbeit von JULIANE GREB. Sie zeigt Aufnahmen ihrer Arbeit in Venedig. Momente mittendrin. GREB spricht von der Angst vor eigenen Courage bei einem so großen Projekt, Gefühle wegen der sich bewussten Überforderung, RESPEKT und dem eigenen WACHSEN. Von TEAMARBEIT und LEIDENSCHAFT, DURCHHALTEVERMÖGEN und dem Durchlaufen von DEMOKRATISCHEN PROZESSEN mit allen Beteiligten. Letztendlich sind dies die Momente, die ihr in ihrem Beruf am meisten Freude bereiten
ZITZELSBERGER ergänzt: „Es gibt nicht DAS Scheitern!“ Man muss aus dem Scheitern lernen, das Positive daraus ziehen.“ Die beiden Architekten sind sich einig: Selbst wer wirklich am Projekt scheitert, lernt trotzdem. Und das ist vielleicht viel Spannender. Das Ziel muss immer klar sein, die Perspektive kann sich aber mit der Zeit verändern. Dies spiegelt sich letztendlich auch in neuen WERTEN und der BEURTEILUNG von Architektur wider.
Auch beim Thema Fehlerkultur sind sich beide einig: Man scheitert nur an den eigenen Ansprüchen. Deshalb ist es wichtig Projekte, zu entwerfen, die Änderungen zulassen und Flexibilität verlangen. Entscheidungen von Bauherren wie Bauämtern sollte man nicht überbewerten, denn nichts ist perfekt. Es geht immer um die IDEE. Nur so entstehen gute Projekte, auf die man vorher oft nicht gekommen wäre. Die hohe Kunst besteht also darin, Projekte zu entwickeln, die Entwicklung ermöglichen. Das muss man erst erlernen.
Eine wichtige Rolle spielen dabei Experimente, wie sie die beiden Architekten auch mit ihren Studenten wie Teams durchführen. Hier geht es um die Erweiterung des eigenen HORIZONTs, um STUDIEN und ENTWICKLUNG. Denn: „Enttäuscht wird man oft von falschen Erwartungen.“, so ZITZELSBERGER.
Eine Erkenntnis daraus ist, dass Architektur, die spannend ist, auf den ersten Blick nicht interessant wirken muss. Manchmal ist das gerade Interessante auch UNSICHTBAR. Deshalb ist es besonders für Studenten wichtig, die Prozesse wie Verbindungen zwischen Plan und Realität kennenzulernen. Denn Bestand zu lesen, braucht Zeit.
Fazit des Abends: Für gute Architektur ist es unabdingbar, im Dialog zu bleiben und in den gemeinsamen Austausch zu gehen. Es zählt nicht die Selbstverwirklichung des Architekten, sondern das Resultat. Eine neue Art von Baukultur.







