SAVE!ING STORIES STORED IN WATER - AUSSTELLUNG UND TALK MIT DER KÜNSTLERIN MARIE JESCHKE

Anlässlich der BERLIN DESIGN WEEK und der Eröffnung der Ausstellung SAVE!ING STORIES STORED IN WATER von Marie Jeschke lud das LAUFEN space BERLIN mit einem Talk dazu ein, urbane Infrastrukturen neu zu denken – Wasser als Erzähler, Abwasser als kulturelles Zeugnis.

 


 

Wasser ist ein Träger von Geschichten - ein lebendiges Archiv, das die Spuren urbaner Existenz speichert. Die Ausstellung SAVE!ING STORIES STORED IN WATER von Marie Jeschke taucht in die unsichtbaren Tiefen von Berlins Wassersystem ein und macht die verborgenen Erzählungen des Abwassers erfahrbar. Durch künstlerische Interventionen - den Einsatz von Objekten, Kameras und gesammelten Proben - untersucht Jeschke die zyklische Bewegung des Wassers und seine Rolle als Vermittler zwischen Stadt, Körper und Umwelt. Ihre Videoinstallationen und skulpturalen Glasarbeiten transformieren technische Infrastrukturen in ästhetische Reflexionsräume. Schmutzig, klar, trüb, schaumig oder verdunstet - Wasser durchläuft unablässig Verwandlungen und bleibt dennoch Träger kollektiver Erinnerungen. Kuratiert wird die Ausstellung von Gabriela Anco.

Der LAUFEN space BERLIN nahm die BERLIN DESIGN WEEK und die Eröffnung der Ausstellung von Marie Jeschke zum Anlass, zu einem Talk mit der Künstlerin, Stephan Dittrich, Bauingenieur Bauingenieur GSP eG Genossenschaft selbstverwalteter Projekte, Stephan Natz, Pressesprecher der Berliner Wasserbetriebe und Elena Bergen, Architektenberaterin save! LAUFEN, über das Potenzial einzuladen, welches in der Auseinandersetzung mit dem scheinbar Unspektakulären liegt: Urin, Infrastruktur – und die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft. 

Es wurde ein informativer und erkenntnisreicher Abend. Schon als Meisterschülerin an der UdK beschäftigte sich Marie Jeschke mit dem Thema Wasser, in den letzten Jahren richtet sich ihr Fokus zunehmend auf die Spuren im Wasser. Mit der Industrialisierung wuchs das Bedürfnis nach Kontrolle und Verbergung des Körperlichen. Abwassersysteme wurden aus dem Blickfeld entfernt, blieben jedoch essenzielle Verbindungsadern des urbanen Lebens. Jeschke macht diese verborgenen Strukturen sichtbar und eröffnet eine neue Perspektive auf Wasser als Medium - als Speicher von Informationen, als Zeugnis menschlicher Eingriffe und als lebendigen Organismus in ständiger Symbiose mit seiner Umgebung.

So entstand auch die Zusammenarbeit mit den Berliner Wasserbetrieben. Heute werden rund 95 % des Berliner Trinkwassers im Stadtgebiet selbst gewonnen. Berlin zählt zwar zu den gewässerreichsten Städten Deutschlands, gehört aufgrund des Klimawandels jedoch gleichzeitig zu den wasserärmsten – wie Stephan Natz an diesem Abend erläuterte. Was bedeutet das für eine Stadt, die einst mit ihren Radialsystemen, dem Abwassernetz und den Klärwerken unter Rudolf Virchow als Pionierin der urbanen Wasserinfrastruktur galt? Was bedeutet das für die Rückgewinnung von Ressourcen? Welche Auswirkungen haben chemische Substanzen oder vermeintlich harmlose Feuchttücher auf die Arbeit der Wasserbetriebe? Und ist es heute noch zeitgemäß, für eine Toilettenspülung neun Liter Trinkwasser zu verwenden?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich auch Stephan Dittrich, der bei drei aktuellen Projekten neue Wege beschreitet. Schnell wurde im Gespräch deutlich, dass es in Deutschland dringend politische Entscheidungen braucht, um sich beim Thema Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft an Vorreitern wie der Schweiz zu orientieren. Für seine Projekte arbeitet Dittrich eng mit LAUFEN und Elena Bergen zusammen. Ein Schlüssel zur Lösung des globalen Problems der Abwasserverschmutzung ist das zukunftsweisende Urin-Trenn-WC save! von LAUFEN – entwickelt in Kooperation mit dem österreichischen Designstudio EOOS. 

 Bereits 2021 wurde save! mit dem Designpreis der Schweiz in der Kategorie „Product Consumer“ ausgezeichnet. Die innovative Toilette adressiert zwei zentrale Herausforderungen: die kostenintensive Aufbereitung von Urin im Abwasser und die Verschwendung wertvoller Ressourcen. Nach dem Prinzip der „Source Separation Technology“ wird der Urin bereits in der Toilette getrennt gesammelt und abgeleitet. So lassen sich verschiedene Abwässer gezielt verarbeiten und Ressourcen effizient zurückgewinnen. Auch in puncto Gestaltung überzeugt save!: Die Technologie ist nahtlos integriert und macht das WC äußerlich von herkömmlichen Modellen kaum unterscheidbar – ein Aspekt, den insbesondere anwesende Architekt:innen,Planer:innen und weitere Gäste im Talk hervorhoben.

Beim anschließenden Get-together mit Drinks und Fingerfood wurde weiter über die Themen des Abends diskutiert. Die Ausstellung SAVE!ING STORIES STORED IN WATER ist noch bis Ende Juli im LAUFEN Space Berlin zu sehen.

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